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Hans Schlemper

DIE FOTOGRAFIN ALS IRONIKERIN

DIE FOTOGRAFIN ALS IRONIKERIN

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Produktbeschreibung

Fotografien bilden sichtbare Wirklichkeit ab und erreichen damit Wirkung. Die ist abhängig von mehrerenFaktoren: von der Fotografin, ihrem Können und Wollen, sowie von der Betrachterin, ihrer Gewohnheit,Fähigkeit und ihrem Interesse an Fotos im Allgemeinen und im besonderen Falle. Gleichgültig jedoch, wiestark diese und noch andere Gegebenheiten auf das Zustandekommen und die Betrachtung einwirkenmögen: immer dürfte die gesehene und fotografisch festgehaltene Wirklichkeit an der Wirkung beteiligtsein - anders oder jedenfalls stärker als bei einem gemalten Bild. Für mich bedeutet dieser enge Bezugsowohl einen Gewinn wie einen Verlust. Den Gewinn sehe ich in der Verbindlichkeit der festgehaltenensichtbaren Wirklichkeit; den Verlust darin, dass Fotografien nahelegen, nur das Sichtbare für wirklich zuhalten und die Wirklichkeit und Wirkung von Gedanken, Gefühlen, Vorstellungen und Träumenmindestens zu vernachlässigen. Aber besteht Wirklichkeit für den Menschen nur aus dem, was er mit denSinnen, in unserem Falle: optisch wahrnimmt Mein Essay geht der Frage nach, ob und wie mit zwei optisch sichtbaren Erscheinungen die in derFotografie so deutlich trennende Grenze zwischen sichtbarer und unsichtbarer Wirklichkeit zuüberwinden wäre, um der Wirkung zu entgehen, die sich bei mir als Langeweile niederschlägt. Die beidenErscheinungen - Schatten und Spiegelbilder - zeichnen sich für mich dadurch aus, daß sie, bestimmteLichtverhältnisse und Oberflächen vorausgesetzt, ebenso optisch wirklich (weil schlicht gegeben) sind,wie die Gegenstände, auf die sie hinweisen. Die Fotografin kann sie weglassen, auf sie verzichten; dasgeschah und geschieht sehr oft. Warum Die Frage wird zu verfolgen sein.Bei näherer Beschäftigung mit den beiden Erscheinungen stieß ich auf eine erstaunliche Vielfalt ihrerWirkungen, wie sie schon sehr lange vor der Erfindung der Fotografie, aber auch danach noch vor allemvon Dichtern beschrieben wurden. Sie alle, so unterschiedlich sie sein mögen, verweisen auf eine zweiteWirklichkeit, die anzunehmen und zu deuten Schatten und Spiegelbilder einladen.
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